Teaching at CARMAH

CARMAH researchers offer a range of teaching at the Institute of European Ethnology. This includes supervision of BA, MA and PhD students, and sessions in Ringvorlesungen. In addition, courses at BA and MA level are offered each semester – see the list below. CARMAH members also run the Museumslabor and the Media Lab, and regularly organise or contribute to the Institutskolloquium. For information about teaching in Berlin related to the topic of provenance, check the flyer on the right side of this page. If you have any other questions about teaching, please contact the IfEE’s teaching coordinator Alice von Bieberstein

 

Current Courses:

In the Summer Semester 2019, CARMAH members offer courses for Bachelor and Master students.

Course by Christoph Bareither:

Curating the Digital in Everyday Life (MA research project)

In unserem Alltag häuft sich der „digital stuff“: Bilder, Videos, Musik, virtuelle Gegenstände, aber auch tagesaktuelle Nachrichten, Informationen und digital gespeicherte Wissensbestände, Meinungen, Konversationen, Werbung, Kontakte, u.v.m. – vieles davon wird von anderen Akteur*innen erstellt und uns über das Internet vermittelt; anderes steuern wir selbst zu dieser digitalen Masse bei. Das Seminar geht von der Beobachtung aus, dass in dieser Situation der digitalen Überfülle viele Alltagsakteur*innen eigenständige Praktiken des Kuratierens entwickeln und umsetzen. Seien es Instagram-Profile, YouTube-Kanäle oder Spotify-Playlisten, seien es Reviews auf Google-Maps, politische Debatten auf Twitter, Wikipedia-Artikel oder Diskussionen in Fanforen: Akteur*innen wählen in diesen Formaten und Prozessen aus der Masse digitaler Daten aus, sie „sorgen sich um“ sie („curare“), pflegen sie und stellen ausgewählte Einheiten zu bedeutungsvollen sowie ästhetisch und emotional wirksamen Kollagen zusammen. Teils entstehen so private Sammlungen und Kollektionen, häufig werden sie aber auch mit einem erweiterten Kreis an Akteur*innen, mit Followern oder gleich öffentlich geshared und dabei auf spezifische Weise kontextualisiert und gestaltet. Akteur*innen nutzen Bearbeitungsprogramme, Filter, Hashtags, Kommentare und Emojis, um die digitalen Einheiten auf spezifische Weise zu verändern und zu Rahmen, oder sie erschaffen bspw. durch Memes oder Video-Remixes ganz neue und eigenständige Werke in Rekombination des Bestehenden. Insofern das Digitale nicht nur für sich existiert, sondern immer auch ein Netzwerk an Verweisungszusammenhängen zu faktischen Umwelten, physischen Artefakten und tatsächlichen Personen bildet, werden diese Praktiken des Kuratierens zum prägenden Teil des In-der-Welt-Seins der involvierten Alltagsakteur*innen.

Das Studienprojekt folgt diesen Praktiken des „Curating the Digital in Everyday Life“ durch ethnografische Zugänge. Gesucht werden Prozesse, in denen visuelle, auditive oder textliche digitale Einheiten durchsucht oder gesammelt, verwaltet oder gestaltet und schließlich geteilt bzw. „ausgestellt“ werden. Neben teilnehmender Beobachtung und Interaktion im Internet (bspw. Chats auf Instagram und Facebook, teilnehmende Beobachtung in Online-Computerspielen, autoethnografische und sensorische Ansätze) und einer sorgfältigen Analyse der entsprechenden Formate (bspw. von Social Media-Profilen, Spotify-Playlisten oder YouTube-Kanälen) werden wir ko-laborative Verfahren entwickeln, um bspw. mit Hilfe von Medientagebüchern Einblick in die entsprechenden Routinen des Kuratierens zu erhalten.

Die Analyse bleibt allerdings nicht auf Seite der menschlichen Akteur*innen stehen. Eine zentrale Rolle spielt die Frage, wie sich wiederum die spezifischen Affordanzen digitaler Medien (von Möglichkeiten der textlichen, auditiven und bildlichen Kommunikation bis hin zu Funktionen der Verlinkung, des Hash- und Geotagging, oder Likes und Emojis, etc.) in den Prozess des Kuratierens einschalten. Insbesondere dort, wo das Kuratieren im Wechselspiel mit algorithmisierten Prozessen stattfindet (bspw. Face-Tracking bei der Auswahl von Fotos, Social Bots als Nachrichtenverbreiter, oder die automatische Zusammenstellung von Playlisten), ist eine Analyse der technischen Infrastrukturen der entsprechenden Medien und der in sie eingeschriebenen Affordanzen unerlässlich. Die Studierenden gehen dazu den entsprechenden Algorithmen auf den Grund, führen selbstständig Recherchen durch und sprechen nach Möglichkeit mit IT-Expert*innen, um das Verständnis für die involvierten technischen Affordanzen zu vertiefen.

Die Studierenden arbeiten in kleineren Arbeitsgruppen zu Fokusthemen innerhalb des übergeordneten Themenbereichs. Derzeit sind folgende Arbeitsgruppen angedacht (Änderungen vorbehalten):

  • Curating Everyday Beauty & Memories: Im Zentrum stehen hier digitale Bilder, Videos oder Texte, die Einblicke in die „Ästhetisierung des Alltags“ durch Instagram und Co geben. In einer Spannbreite von „#foodporn“ über „Urlaubs-Selfies“ bis hin zu „Instagram-Stories“ werden Bilder vom eigenen Alltag und Umfeld gesammelt und ausgestellt, wiederum von anderen aufgegriffen, geshared und kontextualisiert. Nicht zuletzt geht es hier auch um die Frage von kuratierten Selbstbildern, die heute oft durch digitale Medien mitgestaltet werden. Zugleich ist der Themenbereich eng verknüpft mit der Frage nach Medienpraktiken des Erinnerns. Denn das massenhafte Sammeln alltäglicher Eindrücke führt zu einer Unmenge an digitalen Einheiten mit starkem Erinnerungspotenzial. Relevant ist deshalb auch die Frage, wie die Akteur*innen mit dieser Überfülle umgehen, wie sie gesammelte Alltagseindrücke auswählen, hervorheben oder vlt. auch löschen, um persönliche oder auch kollektive Vergangenheiten zu gestalten; und inwiefern sie sich auf algorithmisierte Affordanzen (vom Facebook-Jahresrückblick bis zum „Memories“-Feature auf iPhones) einlassen, um diese Überfülle zu bewältigen.
  • Curating Knowledge (and Truth): Im Zentrum steht hier die Überfülle an digitalen (tagesaktuellen) Nachrichten, die über digitale Medien verbreitet werden. Auch hier begegnen wir auf einer Vielfalt an Plattformen – von Twitter über Image-Boards bis hin zu YouTube-Nachrichtenkanälen – Prozessen des Auswählens und Kuratierens einzelner digitaler Informationseinheiten, manchmal in Verbindung mit „populistischen“ bzw. polarisierend emotionalisierenden Praktiken. Aus Perspektive des Studienprojekts lassen sich hinter der Debatte um „post-faktische“ Meinungsbildung im Internet durchaus Praktiken des „Kuratierens von Wahrheit“ ausmachen, denen hier die Aufmerksamkeit gilt.
    Zugleich setzt sich die Arbeitsgruppe mit Formaten der Wissensvermittlung im Internet – Paradebeispiel Wikipedia – auseinander, die ebenfalls in komplexe Prozesse des Kuratierens von Wissen eingebunden sind und dabei Wissensstandards diskursiv aushandeln.
  • Curating Popular Pleasures: Das vergnügliche Sammeln, Bewahren und Bewerten von populärkultureller Artefakte ist nicht erst seit der fortschreitenden Digitalisierung integraler Bestandteil von Populärkulturen, doch digitale Medien bringen neue Aspekte in diese Prozesse ein. Hier gilt die Aufmerksamkeit bspw. Spotify-Playlisten, YouTube-Remixes, Fanforen-Diskussionen, in denen Akteur*innen als „Prosument*innen“ nicht nur an der Konsumption sondern zunehmend an der Gestaltung von Populärkulturen teilhaben. Das Sammeln und Kuratieren wird hier zum vergnüglichen Selbstzweck. Dieses Prinzip wird zugleich von Computerspielen aufgegriffen, in denen es häufig (u.a.) um die Auswahl, Gestaltung und das Zurschaustellen virtueller Artefakte geht, wobei diese Prozesse integraler Bestandteil des Spielvergnügens sind.
  • Curating Value: Die vierte Arbeitsgruppe nimmt eine Querschnittsperspektive ein und fragt, inwiefern Praktiken des „Curating the Digital“ zugleich mit Praktiken der ökonomischen Inwertsetzung verflochten sind. Im Bereich „Curating Everyday Beauty & Memories“ wäre beispielsweise nach dem Aspekt der berufliche Selbstdarstellung über kuratierte Facebook- oder Instagram-Profile zu fragen, oder nach dem Wert von Google-Reviews zu spezifischen, als schön empfundenen Orten in der Stadt, oder nach der zunehmenden Bedeutung von „Influencern“, die Videos und Bilder für Werbung durch Produktplatzierungen nutzen. Auch im Bereich „Curating Knowledge“ sind die Prozesse der politischen Meinungsbildung durch das „Kuratieren von Wahrheit“ eng mit ökonomischer Wertschöpfung verknüpft, geht es doch bei der emotionalisierten politischen Meinungsbildung im Netz auch um die Umsetzung ökonomischer Interessen. Und im Bereich der „Popular Pleasures“ ist das Kuratieren besonders integral an ökonomische Prozesse gebunden, insofern die entsprechenden populärkulturellen Artefakte Waren sind, die durch mediengestützte Aushandlung an Bedeutung und somit an Wert gewinnen.

Alle Gruppen verwenden von Beginn des Projekts an die Datenanalyse-Software Maxqda. Im Seminar wird eine entsprechende Einführung (äquivalent zu einem Einführungsworkshop) gegeben und es werden im Projektverlauf Kompetenzen in der softwaregestützten Analyse unstrukturierter ethnografischer Daten (auch visueller und auditiver) erworben.

Die für das Seminar zentralen theoretischen Konzepte werden zu Beginn des Projekts eingeführt. Grundsätzlich folgt das Projekt den theoretischen Leitlinien der Medien- und Digitalanthropologie, bezieht aber auch Konzepte aus der Museumsforschung, der Populärkulturforschung und Cultural Studies, der kulturanthropologischen Emotionsforschung und Sensory Ethnography, sowie der Science and Technology Studies (STS) mit ein.

Als Ergebnis des Seminars entsteht – der inhaltlichen Ausrichtung entsprechend – eine digital kuratierte Ausstellung in Form von interaktiven MindMaps, die zugleich selbst zum Gegenstand des Kuratierens des Digitalen werden und dadurch nicht nur in ihren Inhalten, sondern in ihrer Form die Forschungsergebnisse wiederspiegeln. Die MindMaps werden der Institutsöffentlichkeit voraussichtlich im Rahmen des Institutskollquiums am IfEE präsentiert und werden im Anschluss als digitale Ausstellung auf der Webseite des Media & Digital Anthropology Lab des IfEE veröffentlicht.

Courses by Tahani Nadim:

Das Naturkundemuseum, seine Geister und Monster

Naturkundemuseen sind zentrale Orte der Wissenschaft, ihre Sammlungen und Ordnungen bilden die Grundlagen „moderner“ Wissensproduktion. Auch zählen ihre Objekte und Präparate zum kulturellen Erbe eines Landes und sind somit wichtige Elemente in der Konstruktion von Nation, Kultur und Gemeinschaft. Als „Kontaktzone“ (James Clifford) von Geschichte, Wissenschaft und Gemeinwesen (ver)bergen Naturkundemuseen demnach Spuren komplexer und andauender Aushandlungs- und Übersetzungsprozesse zwischen Natur und Kultur, nationalen und globalen Skalen, Vergangenheit und Zukunft, Biologie und Gesellschaft, Ästhetik und Politik. In diesem Seminar setzen wir uns mit dem Naturkundemuseum als Raum, Institution, ethnografisches Feld und epistemisches Arrangement auseinander und untersuchen durch diese Figurationen zentrale kultur- und sozialtheoretische Begriffe und Heuristiken wie z.B. „ghostly matters“, das Andere, Evolution, „imperial formations“, „Rasse“, Repräsentation, Natur-Kultur, Klassifikation. Im Seminar werden wir folgende Autor*innen lesen: Donna Haraway, Avery Gordon, Ann Stoler, James Clifford, Banu Subramaniam, Edward Said, Thomas Richard u.a.

Seminarstruktur und Voraussetzungen

Nach der Einführung und einem Besuch im Museum für Naturkunde widmet sich das Seminar vier Themenbereichen (Naturen; Sammlungen; Arten und Monster; Repräsentation). Voraussetzung für LPs sind das Verfassen von Textkommentaren, eine Gruppenpräsentation und aktive Teilhabe an Diskussionen.

Data natures: datafying environments and politics

Seminar description to follow.

Course by Jonas Tinius:

Art, Anthropolgy and Colonialism: Introductory Convergences and Problems

This seminar looks at past convergences, present problems, and future relations between art, anthropology, and colonialism. What role has art played in mediating the relation between anthropology and colonial legacies? How have post- and de-colonial perspectives in art practice and theory posed new anthropological problems? How can experimental and self-critical anthropological practice address colonial legacies through contemporary artistic practices? We will be looking at core texts that address this nexus, focusing on more recent approaches to the anthropology of art, and more contemporary practices of art. We will aim to complement our readings and discussions with invited speakers from the field of contemporary art who engage with colonialism, and also seek to make reference to or conduct visits to relevant sites of artistic production in Berlin insofar possible.

The seminar will be conducted mainly in English, but contributions and discussions in German will be welcome. All readings will be made available to the course participants or can be obtained by emailing the seminar convenor.

 

Dieses Seminar setzt sich mit den vergangenen Konvergenzen, den aktuellen Problemen und den zukünftigen Beziehungen zwischen Kunst, Anthropologie und Kolonialismus auseinander. Welche Rolle spielt Kunst in der Vermittlung zwischen Anthropologie und (dessen) kolonialen Hinterlassenschaften? Welche neuen anthropologischen Probleme und Fragen werfen post- und dekoloniale Perspektiven in künstlerischer Praxis und Theorie auf? Wie kann eine experimentelle und selbstkritische anthropologische Praxis anhand von künstlerischer Arbeit anders mit kolonialem Erbe umgehen? Wir werden zentrale Texte lesen und diskutieren, die sich diesem Nexus Kunst-Anthropologie-Kolonialismus widmen, wobei der Fokus auf aktuelle Herangehensweisen in der Anthropologie der Kunst und auf zeitgenössischen Kunstpraktiken liegt. Wir werden ebenfalls unsere Lektüren und Diskussionen mit geladenen Gästen aus diesen Feldern im Gespräch erweitern können und uns mit aktuellen und relevant Ausstellungen in Berlin auseinandersetzen oder diese sogar besuchen, sofern möglich.

Dieses Seminar findet sowohl auf Englisch (aufgrund der Originalsprache der meisten Texte wird eine gewisse Basiskompetenz von englischem Sprach- und Textverständnis erforderlich sein) und Deutsch statt. Beiträge und Diskussionen können in beiden Sprachen geleistet und geführt werden. Alle Texte werden den KursteilnehmerInnen zur Verfügung gestellt oder können vom Kursleiter angefordert werden.

Anthropology of Turkey

The Republic of Turkey, heir to the Ottoman Empire and (still) official candidate for E.U. membership, has been both laboratory and field of projection for all sorts of discourses about modernity and Europe. Anthropology has of course not been unaffected by this over-determined categorical field. Earlier work thus approached Turkey primarily through a culturalist and orientalist gaze, finding and representing ‘Turkey’ through ‘traditional’ village ethnographies. Yet, over the last three decades anthropological enquiry has mostly moved away from seeking to understand local and regional peculiarities towards embedding particular research questions within transnational and global dynamics and developments. This seminar will provide an introduction to the anthropological study of Turkey, combining the study of fields and cases with reflections on questions of representation, especially under the ever-present spectre of Europe as historical reality and haunting figure. It revisits earlier debates on village life, urbanisation and culture and moving on to cover key discussions and contemporary enquiries: studies of the state, ethnographic enquiries into secularism and Islam, discussions on the politics of memory and history, research on nationalism, minorities and political violence (including the Armenian genocide, the Kurdish movement/Rojava), work on gender and LGBTI issues, and on infrastructure and environmental activism. Students will thus become familiar with the history and the political and social dynamics of Turkey, but also with fields of research and enquiry that are in no way peculiar to Turkey alone.

The seminar will be in English as will be the readings. However, students are welcome to speak German in class as well as submit their course requirements as well as their MAPs in German.

Materielle Kultur matters

Die materielle Kultur spielte – in Form von Alltagsgegenständen und Technologien vor allem in ländlichen Raum – eine wichtige Rolle in der Disziplinwerdung der Europäischen Ethnologie. Seit diesem frühen Interesse hat sich das Forschungsfeld stetig erweitert. Das ist nicht verwunderlich, denn materielle Kultur und Materialität an sich umgibt uns allgegenwärtig. Dieses Seminar bietet eine Einführung in das Feld und befasst sich mit materieller Kultur und Materialität sowohl als Forschungsperspektive als auch als Untersuchungsgegenstand. Dabei erarbeiten wir unterschiedliche konzeptionelle und analytische Herangehensweisen.

Konkret nähert sich das Seminar der Allgegenwärtigkeit von Materialität perspektivisch durch vier Achsen: (1) Macht operiert und wirkt – monumental oder unsichtbar – durch Materialität. Sie manifestiert sich in Stadt- und Landschaftsplanung; sie wirkt durch Architektur und Infrastruktur und sie bindet Handlungsräume an den Besitz gewisser Dokumente. (2) Zeitlichkeit wird erfahrbar durch materielle Veränderungen. Einerseits können Objekte und Strukturen Vergangenes vergegenwärtigen und Zukunft evozieren, andererseits wird Zeitlichkeit an sich durch Wachstum und Verfall erfahrbar. (3) Wirtschaft dreht sich durch die Produktion, Zirkulation und den Nutzen von Warenobjekten und natürlichen Ressourcen wie kein zweites Feld um Materialität. Allerdings wandelt sich die Rolle und der Status von Materialität innerhalb wirtschaftlicher Prozesse stetig, während technologische Fortschritte auch das Materielle in seinen Formen und Möglichkeiten immer wieder re-konstituiert. (4) Zuletzt ist die Frage der Materialität auch immer verbunden mit ganz existenziellen Fragen nach dem Unterschied und der Verbindung zwischen Subjekt und Objekt, Leben und Nichtleben.

 

Future Courses:

In the Winter Semester 2019/2020, CARMAH members will continue to offer courses for Bachelor and Master students. Christoph Bareither will continue with his MA research project ‘Curating the Digital in Everyday Life’. Larissa Förster will very likely offer an MA seminar on provenance, shared heritage and restitution. Courses by other CARMAH members will be decided upon and made public in late summer 2019.

 

 

Past Courses:

In the Winter Semester 2018/2019, four CARMAH members offered courses for Bachelor and Master students.

Course by Sharon Macdonald:

Thinking about Museums

The aim of this Seminar is to think about, with and through museums – including addressing the question that Mary Douglas raised for institutions more generally of how museums ‘think’. We will explore various philosophical questions – epistemological, ontological, metaphysical, ethical, and aesthetic – concerning museums and their activities. These include: What is a museum? What are museums actually collecting and exhibiting? How do museums shape knowledge? Is an object the same object once it is displayed in a museum? Is the provenance of an object essential to its identity? Does it matter if replicas or fakes are exhibited? Should objects from other countries be repatriated? How should museums deal with traumatic pasts and contested histories?

The seminar will be conducted mainly in English, but contributions in German will be welcome.

Medien- und Digitalanthropologie: Einführung für Studierende der Europäischen Ethnologie

Das Seminar führt die Studierenden aus Perspektive der Europäischen Ethnologie in das Forschungsfeld der Medien- und Digitalanthropologie ein. Gefragt wird, wie die Europäische Ethnologie technische Medien als Analysekategorie und Querschnittsperspektive entdeckte und eine spezifische Kompetenz dafür entwickelte, Medien als integralen Bestandteil alltäglicher Praktiken zu begreifen sowie ethnografisch zu analysieren. Wir lernen zugleich, wie die medienanthropologische Perspektive der Europäischen Ethnologie durch Einflüsse aus den Cultural Studies, der Medienwissenschaft, der STS/Infrastrukturforschung und durch praxistheoretische Ansätze bereichert wird. Ausführlich widmen wir uns dann den Besonderheiten der ethnografischen Forschung zu digitalen Medien bzw. Medienpraktiken. Gefragt wird insbesondere, wie wir den Umgang mit dem Internet ethnografisch begreifen, untersuchen und beschreiben können. Abschließend diskutieren wir, wie die medienanthropologische Perspektive eine gesellschaftspolitische Relevanz entfalten und welche Beiträge sie zu öffentlichen Debatten rund um digitale Medien leisten kann.

Wichtiger organisatorischer Hinweis: Das Seminar ist nur für Studierende der Europäischen Ethnologie zugänglich, die bereits das Einführungsmodul (Vorlesung „Einführung in die Europäische Ethnologie“ mit Tutorium und Seminar „Einführung in die empirischen Methoden“) erfolgreich absolviert haben.

Medien der Alltäglichkeit: Theoretische Konzepte und methodische Zugänge der Medien- und Digitalanthropologie (Vorbereitungsseminar zum Studienprojekt "Curating the Digital in Everyday Life")

Organisatorische Voranmerkung: Das Seminar ist als Vorbereitungsseminar für das im SoSe 2019 startendende MA-Studienprojekt “Curating the Digital in Everyday Life” konzipiert. Alle Informationen zum Studienprojekt finden sich hier.

Alle Studierenden, die das Projektseminar belegen möchten, sollten nach Möglichkeit auch das Vorbereitungsseminar besuchen, das außer in Modul 2 und 3 auch als Begleitseminar für das Studienprojekt in Modul 4 anrechenbar ist. Auch Studierende, die das Projektseminar nicht besuchen wollen, sind natürlich  zur Teilnahme eingeladen; das Projekt ist dann nur in Modul 2 und 3 anrechenbar.

Das Vorbereitungsseminar bietet eine Einführung in die konzeptuellen und methodischen Perspektiven der Medien- und Digitalanthropologie innerhalb des Fachbereichs der Europäischen Ethnologie. Diese bieten Zugänge zur ethnografischen Analyse medienbezogener Routinen im Alltag, wobei wir uns auf den Umgang mit digitalen Medien (insbesondere Internet-Medien, Mobile Media) fokussieren.  Zu den behandelten konzeptuellen Perspektiven zählen die auf Medienpraktiken, Medien-Wissen, Medien-Geschichte, mediale Erfahrungen (Erleben, Fühlen, Wahrnehmen durch Medien), digitale Affordanzen, sowie Medien-Infrastrukturierungsprozesse. Anhand kleinerer empirischer Übungen werden diese Konzepte nicht nur theoretisch durchdacht und diskutiert, sondern zugleich ethnografisch erprobt. Dabei gehen wir wiederholt auf die Frage ein, wie spezifische Methoden der Medienethnografie bzw. digitalen Ethnografie (bspw. teilnehmende Beobachtung im Internet, Codierung von Social Media Posts, Affordanz- und Infrastrukturanalyse) dabei helfen, die jeweiligen konzeptuellen Perspektiven konkret empirisch umzusetzen.

Das Seminar bietet die Möglichkeit, eine MAP-Prüfung im jeweils gewählten Modul abzulegen. Für die MAP wählen sich die Studierenden eigenständig ein medienbezogenes Alltagsphänomen und erproben die Umsetzung der theoretischen Konzepte und ethnografischen Zugänge in Form einer schriftlichen Hausarbeit.

Courses by Tahani Nadim:

Data troubles: problematising data practices, labour and infrastructures

How to study bots, which make up almost 15 per cent of Twitter users, are responsible for more than 60 per cent of internet traffic and determine political elections? What happens to scientific knowledge making and theory in the age of big data? How (im)material are data labours? This seminar aims to collectively assemble a repertoire of concepts and analytical tools for critically engaging with data practices, data labours and data infrastructures. It’s based on close reading and discussion of selected texts including Geoffrey Bowker and Susan Leigh Star’s Sorting Things Out (2000), Paul Edwards A Vast Machine (2010) and Sareeta Amrute’s Encoding Race, Encoding Class (2016) as well as recent texts on the epistemic, political and methodological challenges of big data, automation and algorithms. These will be juxtaposed with more popular accounts on the issues (e.g. Wired, Public Library of Science, Model View Culture) and relevant art and activist projects on data matters.

Please prepare text excerpts for each session and upload them to Moodle by Tuesday, 9:00am. Each excerpt should contain a brief summary of the text’s key arguments (50%) as well as questions, thoughts, gripes and suggestions for debate (50%). Thanks.

Aus dem Labor: anthropologische Perspektiven auf die Herstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Wie denken und problematisieren wir die wissenschaftliche Erkenntnisbildung als Gegenstand anthropologischer Untersuchungen? Dieses Seminar baut auf Schlüsselkonzepten und Fragen der Wissenschaftsanthropologie auf und verfolgt deren Entwicklung und Anwendung in den Science & Technology Studies (STS) und verwandten Gebieten. Ziel des Seminars ist es, die theoretischen und methodischen Werkzeuge von STS zu lokalisieren und zu kontextualisieren und so ihre spezifischen Genealogien, Effizienzen und Blindstellen zu verstehen. Konkret wird das Seminar

– einige der Kernideen, Kategorien und Heuristiken von STS (z.B. Assemblage, Inschrift, Grenzobjekt, Naturkultur, Verabschiedung, Symmetrie, Kontroverse) vorstellen.

– diese in Bezug auf konkrete Beispiele und Ethnographien (z.B. Tsing 2005, 2015; Knorr Cetina 1999; Subramaniam 2014; Mol 2003; Haraway 1990; Verran 2001, 2002) diskutieren.

– diese mit analytischen Traditionen in breiteren sozialen und kulturellen Theorien, einschließlich feministischer und postkolonialer Ansätze verbinden;

Das ist ein leseschwerer Kurs. Bitte bereiten Sie für jede Sitzung Textauszüge vor und laden Sie diese bis Dienstag, 9:00 Uhr, ins Moodle hoch. Jeder Auszug sollte eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Argumente des Textes (50%) sowie Fragen, Gedanken und Diskussionsvorschläge (50%) enthalten. Danke.

Aura, Fetish, Mana, etc.: Thinking Objects and Materialities Beyond Representation

The last years have witnessed a renewed concern for tracing changes in and rethinking the relation between humans and objects. Growing out of a critique of the humanist Enlightenment conception of the subject as one centrally defined by language and rationality, affect theory, for instance, has emphasised people’s inherent permeability and openness to be impressed. Related work in the ‘new materialisms’ has pointed to the inherent vitality of matter, while actor-network-theory is generally identified with claims that objects have agency. Across a range of debates, then, there are attempts to capture and make sense of qualities, forces and dynamics that exceed human-centred practices of endowing objects and materialities with symbolic meaning, i.e. to think about objects and materialities beyond representation.

Within anthropology, thinking about the forcefulness of the object world goes back a long way. In fact, concepts such as mana or fetish are central to the early history of the discipline. Together with a range of other terms, including aura and mimesis, totem and animism, taboo and the sacred, these terms have been central to debates that have straddled different fields and disciplines: from anthropology and comparative religion, to arts and aesthetics, psychoanalysis and political economy. The course will focus on the conceptual work these terms have been made to do in the past and in the present. By force, this will make us jump between reading the works of key figures such as Benjamin, Freud and Adorno, early anthropological texts as well as more recent re-interpretations or re-adaptations. The point will be to gain an overview of the different histories and approaches towards thinking the power of objects and materials. By doing so, we will also open up the question of how useful these terms are (a) in thinking about how we relate to the objects and materials around us, whether in museum collections, as consumer items or as the waste and ruins of capitalist landscapes; and (b) for understanding dynamics of attraction, attachment and seduction that are central to contemporary political dynamics.

Neoliberalism and/as biopolitics

When Michel Foucault, over the course of his oeuvre, turned to the issue of ‘biopolitics’, he paused and appeared to have felt the need to make sense of something else first, namely the changing shape of liberal governance in the twentieth century. Following his lead, this course will engage with neoliberalism as biopolitics. Neoliberalism generally refers to a shift from a Fordist-Keynesian regulatory state with extensive social welfare and employment security to a regime of flexible labour and accumulation, free trade and active individualism. It has re-organised the relation between state, individuals and various (religious, kin, civil society, etc.) communities/collectivities. Central to this re-organisation has been the redistribution of responsibilities, both for care and social reproduction, but also for the the burden of social and existential risks. Market logics have penetrated ever more spheres of life, commoditising the most intimate of human relations and the production of identity and personhood itself. Desires, affects and emotions nowadays play an important role in the production of economic value.

We will start the course with a conceptual and historical exploration of ‘neoliberalism’ and ‘biopolitics’? What is mean by the two terms, how have they been defined? What have they been made to refer to? We will thereby trace the changing logics and increasingly global workings of capitalism in relation to the histories of the welfare state, colonialism, socialism, the third world debt crisis, etc. through to the present moment. The major focus of the course will be on the 21st century. By engaging with the work of anthropologists as well as scholars from other disciplines, we will explore different themes and spheres that bring to the fore the biopolitical dimensions of neoliberal governance, such as, amongst others: the marketisation of citizenship; the politics of crisis, austerity and debt; the particular way the future has become a field of biopolitical intervention and prevention; the (racialised, gendered, class-contingent) precarity of labour and life; mobility, migration and survival; care work, gender and emotional labour; the neoliberalisaiton of love and sexuality (dating apps!); but also struggles towards maintaining or reclaiming the grounds and infrastructures that sustain communal living and other challenges to the neoliberal-biopolitical order.

 

In the Summer Semester 2018, three CARMAH members offered courses for Bachelor and Master students.

Course by Christoph Bareither:

Mediating Places of Memory: Medienpraktiken, emotionale Erfahrungen und ästhetisches Vergnügen an Heritage Sites in Berlin

Die Teilnehmer*innen des Projektseminars steigen in ein aktuell am IfEE und am Center for Anthropological Research on Museums and Heritage (CARMAH) laufendes Forschungsprojekt von Christoph Bareither ein, das sich mit Medienpraktiken an Berliner Heritage Sites auseinandersetzt (bspw. das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, die „Gedenkstätte Berliner Mauer“ oder die „East Side Gallery“). Die zentrale Frageperspektive des Projekts richtet sich darauf, wie die Praktiken der Vergegenwärtigung des Vergangenen an solchen Orten durch die massenhafte Nutzung digitaler Medien transformiert werden und welche Rolle dabei emotionale Erfahrungen bzw. (in Hinblick auf populärkulturelle Nutzungsweisen) ästhetisches Vergnügen spielen. Untersucht werden erstens die Tätigkeiten vor Ort (insbesondere das Anfertigen von Fotos und Videos) mittels teilnehmender Beobachtung und Interviews sowie zweitens die Repräsentation der Orte auf Plattformen wie Instagram und Facebook mittels internetethnografischer Ansätze (wobei sowohl die Bilder und Videos selbst wie auch die Kommentare, Hashtags, Emojis, etc. Teil der Analyse sind). Durch solche ethnografischen Zugänge werden wertende und simplifizierende Zuschreibungen (wie sie bspw. rund um die „Yolocaust“-Debatte über Selfies am „Holocaust Memorial“ auftauchen) aufgebrochen und ihnen differenziertere ethnografische Perspektiven entgegengestellt.

Course by Sharon Macdonald:

‘Too much stuff!’: Towards an anthropology of overload

In the face of hyper-production and consumption, what happens with all the stuff? How does some get kept for the future and what happens with the rest? Are we at risk of ‘stuffocation’ – being submerged in too many things, too much information and too many decisions to make? The last decade has seen a major rise in many countries of specialised products and services to help people cope with excess and overload. This includes vast storage facilities for things that won’t fit into people’s homes, smart domestic storage ‘solutions’ to help pack more and more in, and professional organisers and ‘declutterers’ to help people to ‘let go’ of excess stuff. Hoarding has become defined as an official psychological illness in the US; and in many West European countries even museums have begun looking into whether they can get dispose of things from their increasingly growing collections. Focusing on material profusion – the overload of things ­– in this seminar we will take an anthropological perspective,  considering especially whether what we are witnessing is a  particular kind of relationship of personhood, things and time.  To do so, we will look for theoretical elucidation from various areas, ranging from those concerning the nature of contemporary capitalism to  sustainability, and from purity and danger to spirit possession.  In the first part of the semester we will read and discuss texts. In the second half, seminar participants will present cases of their choice.

Courses by Tahani Nadim:

Counting and re-counting nature

Knowing nature has always entailed numbers: species counts, rates of distribution and extinction, population sizes and trends, land-cover estimates, carbon emissions or, more recently, biodiversity and biocapital measures. Numbers are crucial constituents of our descriptions and our imaginations of nature and, arguably, of all social life. How are numbers used for making nature visible and valuable and what stories can we tell with and about numbers? How do numbers do different kinds of natures and what role do narratives play? The course addresses these questions by examining specific instances of numbers-in-practice as well as through discussions of more general number-related terms such as “percentage”, “rankings” and “population”. In attending to the performativity of numbers in the context of counting and accounting for different natures, the course explores the co-constitutive dynamics of scientific knowledge, representations and the governance of nature. It will provide a range of analytical categories and methods for ethnographically encountering numbers and introduce students to anthropology of numbers. Readings will include Thomas Crumb, Helen Verran, Theodore Porter, Arjun Appadurai, Jane Guyer and Susan Greenhalgh among others.

Das Naturkundemuseum, seine Geister und Monster

Naturkundemuseen sind zentrale Orte der Wissenschaft, ihre Sammlungen und Ordnungen bilden die Grundlagen „moderner“ Wissensproduktion. Auch zählen ihre Objekte und Präparate zum kulturellen Erbe eines Landes und sind somit wichtige Elemente in der Konstruktion von Nation, Kultur und Gemeinschaft. Als „Kontaktzone“ (James Clifford) von Geschichte, Wissenschaft und Gemeinwesen (ver)bergen Naturkundemuseen demnach Spuren komplexer und andauender Aushandlungs- und Übersetzungsprozesse zwischen Natur und Kultur, nationalen und globalen Skalen, Vergangenheit und Zukunft, Biologie und Gesellschaft, Ästhetik und Politik. In diesem Seminar setzen wir uns mit dem Naturkundemuseum als Raum, Institution, ethnografisches Feld und epistemisches Arrangement auseinander und untersuchen durch diese Figurationen zentrale kultur- und sozialtheoretische Begriffe und Heuristiken wie z.B. „ghostly matters“, das Andere, Evolution, „imperial formations“, „Rasse“, Repräsentation, Natur-Kultur, Klassifikation. Im Seminar werden wir folgende Autor*innen lesen: Donna Haraway, Avery Gordon, Ann Stoler, James Clifford, Banu Subramaniam, Edward Said, Thomas Richard u.a.

 

In the Winter Semester 2017/2018, three CARMAH members offered courses for Bachelor or Master students.

Courses by Christoph Bareither:

Digital Memories: Mediale Erinnerungspraktiken im Alltag

Dass alltägliche Erinnerungspraktiken häufig im Umgang mit Medien realisiert werden, ist keine Neuigkeit: Schrift, Bild, Fotografie, Film – sie alle werden seit langem eingesetzt, um Vergangenheit zu vergegenwärtigen. Zu Beginn des Seminars nähern wir uns dieser Mediengeschichte alltäglichen Erinnerns an, um anschließend nach der Spezifik von Erinnerungspraktiken zu fragen, die auf digitale Medien zurückgreifen. Aus der praxistheoretischen Perspektive, die wir dabei einnehmen werden, lassen digitale Medien multiple technische Affordanzen in die Prozesse alltäglichen Erinnerns einfließen. Dadurch entstehen keine völlig ‚neuen‘ Gewohnheiten, doch es entstehen veränderte Erinnerungspraktiken, die Alltagswirklichkeiten sozial, emotional, ästhetisch und auch politisch mitgestalten. Um diese Transformationen besser zu verstehen, lesen wir Texte aus dem Bereich der Erinnerungsforschung sowie der Media & Digital Anthropology, ergänzt um Perspektiven aus der Populärkultur- und ethnografischen Emotionsforschung. Diese Literatur bildet den Hintergrund für eigene explorative ethnografische Streifzüge (kurze Interviews, teilnehmende Beobachtungen im Internet oder in (Offline-)Erinnerungsräumen) im Rahmen von regelmäßigen Arbeitsaufträgen.

Media & Digital Anthropology: Einführung für Studierende der Europäischen Ethnologie

Das Seminar führt die Studierenden aus Perspektive der Europäischen Ethnologie in das Forschungsfeld der Media & Digital Anthropology ein. Gefragt wird, wie die Europäische Ethnologie technische Medien als Analysekategorie und Querschnittsperspektive entdeckte und eine spezifische Kompetenz dafür entwickelte, Medien als integralen Bestandteil alltäglicher Praktiken zu begreifen sowie ethnografisch zu analysieren. Wir lernen zugleich, wie die medienanthropologische Perspektive der Europäischen Ethnologie durch Einflüsse aus den Cultural Studies, der Medienwissenschaft, der STS/Infrastrukturforschung und durch praxistheoretische Ansätze bereichert wird. Ausführlich widmen wir uns dann den Besonderheiten der ethnografischen Forschung zu digitalen Medien bzw. Medienpraktiken. Gefragt wird insbesondere, wie wir den Umgang mit dem Internet ethnografisch begreifen, untersuchen und beschreiben können. Abschließend diskutieren wir, wie die medienanthropologische Perspektive eine gesellschaftspolitische Relevanz entfalten und welche Beiträge sie zu öffentlichen Debatten rund um digitale Medien leisten kann.

Courses by Tahani Nadim:

Science matters: anthropological perspectives and interventions in the making of scientific knowledge

How do we think and problematise scientific knowledge-making as an object of anthropological enquiry? This seminar builds on key concepts and issues of socio-cultural anthropology and traces their development and application in science & technology studies (STS) and related fields. The aim of the seminar is to situate and contextualise the theoretical and methodological tools and commitments of STS and thus understand their specific genealogies, efficacies and blind-spots. Specifically, the seminar
·       introduces some of STS’s core ideas, categories and devices (e.g. assemblage, inscription, boundary object, natureculture, enactment, symmetry, controversy)
·       discusses them in relation to concrete examples and ethnographies (e.g. Tsing 2005, 2015; Knorr Cetina 1999; Subramaniam 2014; Mol 2003; Haraway 1990; Verran 2001, 2002)
·       connects them to analytical traditions in broader social and cultural theories including feminist, postcolonial, poststructuralist and Marxist approaches

Data troubles: problematising data practices, labour and infrastructures

How to study bots, which make up almost 15 per cent of Twitter users, are responsible for more than 60 per cent of internet traffic and determine political elections? What happens to scientific knowledge making and theory in the age of big data? How (im)material are data labours? This seminar aims to collectively assemble a repertoire of concepts and analytical tools for critically engaging with data practices, date labours and data infrastructures. It’s based on close reading and discussion of selected texts including Geoffrey Bowker and Susan Leigh Star’s Sorting Things Out (2000), Paul Edwards A Vast Machine (2010) and Sareeta Amrute’s Encoding Race, Encoding Class (2016) as well as recent texts on the epistemic, political and methodological challenges of big data, automation and algorithms. These will be juxtaposed with more popular accounts on the issues (e.g. Wired, Public Library of Science, Model View Culture) and relevant art and activist projects on data matters.

Course by Katarzyna Puzon:

Heritage and the City

This seminar deals with an anthropological analysis of heritage and introduces students to important concepts and various approaches of studying heritage in and of the city. This includes close reading of key texts in heritage studies and urban anthropology. Over the 15 weeks we will discuss some central debates in the subject and assess their implications for anthropological theory and practice. How does heritage manifest itself and how is it mobilised in the urban context? How is diverse heritage ‘gathered’ and ‘displayed’ in the city? We will discuss influential theories and contested visions of heritage and address emergent heritage issues by looking at a series of case studies, including ongoing transformations in Berlin and other cities in different parts of the world.

 

In the Summer Semester 2017, Christoph Bareither offered courses for Bachelor and Master students.

Courses by Christoph Bareither:

Gefühlte Wahrheiten & wahre Gefühle. 'Post-faktische' Emotionspraktiken im Wahlkampfsommer

Der Wahlkampf-Sommer 2017 wird in neuer Intensität und Qualität vom Meinungsaustausch und Meinungskampf im Internet geprägt werden. Das forschungsorientierte Seminar setzt sich live und kritisch mit diesen Entwicklungen auseinander und hinterfragt die diskursiven Praktiken privater Akteure (also nicht professioneller Politiker*innen und Meinungsmacher*innen) auf Twitter, Facebook & Co nach ihren emotionalen Implikationen. Es wird vor allem über die in den öffentlichen Debatten unter dem Label des Post-Faktischen firmierenden Prozesse gehen. Das Konzept des Post-Faktischen reflektieren wir kritisch und verstehen es nicht als einen Prozess der ‚populistischen‘ Unterwanderung der Prinzipien gesellschaftspolitischen Dialogs, sondern wir verstehen es mit Hilfe der ethnografischen Emotionsforschung als ein Geflecht aus Emotionspraktiken, die einen zurückhaltend-faktenbasierten politischen Diskurs aus sehr unterschiedlichen Gründen zugunsten oftmals aggressiv artikulierter gefühlter Wahrheiten verschieben. Dadurch möchten wir ein besseres Verständnis dafür gewinnen, welche Relevanzen gesellschaftspolitisches Wissen für die beteiligten Alltagsakteure hat und wie sie an dessen Zirkulation und Gestaltung teilhaben.

Die Lektüre im Seminar besteht aus Grundlagentexten zu medienethnografischen und emotionspraxistheoretischen Ansätzen, ergänzt um einzelne Texte aus dem Feld der politischen Anthropologie. Der Schwerpunkt liegt aber auf eigenen Online-Forschungen, der Durchführung von Chat-Interviews mit Akteuren, der teambasierten softwaregestützten Auswertung des gesammelten Materials und der gemeinsamen Diskussion darüber.

klicken.zeigen.messen – Berufliche Selbstdarstellung und Selbstwertschöpfung im Internet

Selbstdarstellungspraktiken auf beruflichen Online-Plattformen werden ein immer wichtigerer Teil des Alltags vieler Menschen und prägen die Entwicklung beruflicher Karrieren. Entsprechende Webseiten bieten die Möglichkeit, dynamisch und „live“ die eigenen Kompetenzen und Netzwerke zu präsentieren. Im Gegensatz zu klassischen Selbstrepräsentationsformaten fordern die Affordanzen des Mediums eine aktivere und intensivere Betreuung ein, die beispielsweise mit Praktiken der Vernetzung, des Klickens, Likens und Bestätigens einhergeht und häufig auf die Herstellung quantitativer Messwerte (eine hohe Anzahl an Kontakten, viele Aufrufe der eigenen Beiträge, zahlreiche Bestätigungen der eigenen Kenntnisse, etc.) zielen. Dadurch wird nicht nur die Entgrenzung der Erwerbsarbeit in den privaten Alltag vorangetrieben, sondern es entstehen auch veränderte Strategien des kompetitiven Selbstmanagement mit emotionalen Implikationen für die Selbstwertgefühle der Akteure.

Das Seminar führt in mehrere Diskussionsfelder der Europäischen Ethnologie ein, die für die Bearbeitung dieser Frageperspektive relevant sind: Darunter fallen Texte zur medienethnografischen Internet-Forschung, zu Emotionspraktiken, zu Kulturen des Kompetitiven, zu Wertschöpfungsprozessen und zur Arbeitskulturforschung. Der Fokus des Seminars liegt aber auf von den Studierenden durchgeführten medienethnografischen Forschungen in diesem Feld. Wir werden Online-Profile analysieren, Online-Interviews führen, die erhobenen Materialien gemeinsam softwaregestützt auswerten und im Team weiterführend diskutieren.

 

In the Winter Semester 2016/2017, Sharon Macdonald offered a course for Master students:

Course by Sharon Macdonald:

Anthropology of Museums – An Introduction

This seminar is an introduction to the anthropological study of museums. It introduces questions about what is involved in collecting, treasuring and exhibiting material (and sometimes immaterial) culture. How is culture made and known through processes of classification and other forms of ordering? Who and what is included – and excluded? Course members look especially at the roles of museums in creating national and other forms of public memory, and in imagining particular futures. The seminar also addresses questions of ongoing transformations in museums, including by looking at a range of examples from around the world. The seminar consists primarily of close reading of a range of classical and more recent texts in order to introduce some of the main areas of theory. In addition, seminar participants are encouraged to engage in deeper investigation of perspectives and examples of their own choice.